Die
Kerze.
Für
eine festliche Tafel, eine gemütliche Kaffeerunde, einen romantischen
Abend - zu jedem Anlaß gehört eine Kerze zur vollendeten Dekoration.
Seit
wann gibt es Kerzen?
Ungefähr
ab Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. gab es bei den Römern erste Wachskerzen,
die in geschlossenen Räumen abgebrannt werden konnten, ohne übermäßig
zu rußen oder übel zu riechen. Das Christentum mit seinen Gebräuchen
war der Impuls für eine rasche Verbreitung des Kerzengebrauchs. Mit
dem Bienenwachs entfaltete sich die Technik der Kerzenherstellung das
ganze Mittelalter hindurch. Dieses sehr wertvolle Wachs war jedoch den
Kirchen und reichen Fürstenhäusern vorbehalten. In die privaten
Haushalte zog die Bienenwachskerze erst Ende des 15. Jahrhunderts. Zu
dieser Zeit mußten die Kerzen noch ständig geputzt werden,
d.h. der abgebrannte Docht wurde ständig gekürzt , um das Rußen
und Tropfen zu verringern. Nachdem man im 17. Jh. Talgkerzen mit Arsenik
weißte, besaß man mit der Entdeckung des Walrats (1725) einen
Kerzenrohstoff für glänzend weiße Kerzen. Erst im vorigen
Jahrhundert entdeckte man die Kerzenrohstoffe Paraffin und Stearin, die
noch heute zur Kerzenherstellung verwendet werden.
Die
Rohstoffe.
a) Paraffin.
Erstmals
zwischen 1830 u. 1840 zur Kerzenherstellung eingesetzt, wird es heute überwiegend
aus Erdöl gewonnen. Chemisch gesehen, sind Paraffine gesättigte Kohlenwasserstoffe
(Alkane), die durch Destillation des Rohöls herausgetrennt werden. Paraffin
wird in Form von feinem weißem Pulver, als Pastillen, Tafeln oder auch flüssig
geliefert.
b) Stearin.
Stearin
wurde im Jahre 1811 durch den Franzosen Chevreul entdeckt. Dieses Wachs
wird aus tierischen und pflanzlichen Ölen und Fetten gewonnen. Es handelt
sich um ein Gemisch verschiedener Fettsäuren; d.h. Palmitin- u. Stearinsäure.
Angeboten wird es in Perlen- oder Flockenform, eventl. auch flüssig.
c) Bienenwachs.
Das
Bienenwachs ist ein Stoffwechselprodukt der Honigbiene, das diese in den
Wachsdrüsen produzieren. Es wird an der Bauchseite ausgeschieden und von
den Baubienen zum Wabenbau eingesetzt. Das Wachs wird aus den Waben durch
spezielle Ausschmelzverfahren gewonnen. Im Rohzustand ist Bienenwachs rotbraun
bis hellgelb und enthält noch Verunreinigungen, die dann durch Filtration
beseitigt werden.
d) Docht.
Der
Docht wird in der Regel aus Baumwollgarnen geflochten, und muß über eine
ausreichende Saugfähigkeit verfügen. Man unterscheidet hierbei zwischen
Flach- und Runddochten. Beide sind gleichermaßen für die Herstellung von
Kerzen aus Paraffin und Stearin geeignet. Runddochte werden außerdem bei
Bienenwachskerzen verwendet. Die Auswahl der Dochte ist für die Brennqualität
von großer Bedeutung. Sie müssen auf den Kerzendurchmesser, die eingesetzten
Rohstoffe , Farben und Lacke und auf das Herstellungsverfahren abgestimmt
sein.
e) Farbe.
Das
Durchfärben der gesamten Wachsmasse ist heutzutage relativ selten.
Es erhöht vielleicht die Schönheit einer schlanken Kerze,
ist für eine gute Kerzenqualität aber nicht notwendig. Die
meisten Kerzen haben einen ungefärbten Körper und werden mit
einer farbigen Masse übertaucht. Zum Färben verwendet man
Pigmentfarben (organische Farbpulver) oder die fettlöslichen Anilinfarben.
Herstellung.
a) Kerzenzugmaschine.
Die
Maschine besteht aus 2 Zugtrommeln von ca. 1,5 m Durchmesser, die im Abstand
von 10m aufgestellt sind. Über die Trommeln können mehrere 100m Dochtstrang
gewickelt und in einen Rundlauf versetzt werden. Die untere Dochtstrecke
durchläuft ein Wachsbad, wobei der Docht jeweils eine Wachsschicht aufnimmt.
Diese kühlt auf der weiteren Rundstrecke des Dochtes ab, bis er zum Wachsbad
zurückkehrt. Je öfter der Docht durch das Bad gezogen wird, um so stärker
wird der Strang. Ist der gewünschte Durchmesser erreicht, läßt man den Strang
durch eine Abzugsvorrichtung aus der Zugmaschine herauslaufen. Er gelangt
in die Schneidemaschine und wird in die gewünschte Länge geteilt.
b) Pulverpressverfahren.
Zunächst
werden durch Versprühen von flüssigem Paraffin und starkem
Abkühlen der Sprühpartikel feines Pulver oder feine Späne
hergestellt. Dieses Material wird durch ein Rohrsystem an die Kerzenmaschine
geleitet, z.B. an eine Strangpresse. Die preßt unter hohem Druck
in einem Rohr das Wachs zusammen mit dem Docht, so daß ein endloser
Strang entsteht. Danach wird die gewünschte Kerzenlänge geschnitten.
Tips
zur Kerzenpflege.
- Kerzen
müssen fest aufgestellt werden (Leuchter, Schale) so daß sie nicht während
des Abbrandes umkippen können. Die Leuchter sollten hitzefest sein und nicht
entflammbar.
- Die Kerze ist ein lebendiges Licht, und muß deshalb unter Beobachtung
gehalten werden.
- Kerzen vertragen es nicht , wenn sie zu dicht neben- oder untereinander
brennen. Achten Sie auf genügend Abstand.
- Kerzen vertragen keine Zugluft. Bei Zugluft wird die vollständige
Verbrennung gestört, die Kerze beginnt zu rußen und zu tropfen und brennt
einseitig ab.
- Einen brennender Docht kann vorsichtig zur Seite gebogen werden,
wenn die Kerze einseitig abbrennt. Einen erstarrten Docht nie biegen oder
gar abbrechen.
- Die ideale Dochtlänge beträgt 10-15mm. Ein längerer Docht verursacht Rußabgabe
- kürzen Sie ihn vorsichtig mit einer Schere. Wenn die Flamme zu verkümmern
droht, ist der Docht zu kurz. Löschen sie dann die Flamme und gießen vorsichtig
etwas flüssigen Wachs ab.
- Der Kerzenrand darf nicht beschädigt werden, da sonst das flüssige Wachs
ausläuft. Bleibt ein zu hoher Rand stehen, dann schneiden sie ihn im warmen
Zustand ab.
- Der Brennteller muß sauber gehalten werden. Streichholzreste, Dochtstücke
und sonstige Verunreinigungen sind zu vermeiden.
- Dicke Kerzen sollten jedesmal wenigstens so lange brennen, bis der ganze
Brennteller flüssig geworden ist, da sie sonst hohl abbrennen und die Flamme
verkümmert.
- Tauchen Sie den Docht zum Auslöschen in das flüssige Wachs und richten
Sie ihn gleich wieder aus; so raucht er nicht nach und die Kerze läßt sich
das nächste mal leichter anzünden.
Brenndauer
Information
bei Durchmesser |
Brenndauer pro
cm Länge |
2 |
20 Minuten |
3 |
37 Minuten |
4 |
68 Minuten |
5 |
100 Minuten |
6 |
135 Minuten |
7 |
175 Minuten |
8 |
215 Minuten |
9 |
260 Minuten |
10 |
305 Minuten |
Adventkerzen 28/500 =
2 1/4 Stunden
Adventkerzen 16/500 = 3 3/4 Stunden
Adventkerzen 12/500 = 4 1/4 Stunden
Adventkerzen 8/500 = 5 1/2 Stunden
Adventkerzen 6/500 = 8 1/4 Stunden
Altarkerzen
d = 20 mm |
Abbrand ca. 23 mm/Stunde |
d = 25 mm |
Abbrand ca. 17 mm/Stunde |
d = 30 mm |
Abbrand ca. 11 mm/Stunde |
d = 35 mm |
Abbrand ca. 9 mm/Stunde |
d = 40 mm |
Abbrand ca. 7 mm/Stunde |
d = 45 mm |
Abbrand ca. 6 mm/Stunde |
d = 50 mm |
Abbrand ca. 5 mm/Stunde |
d = 55 mm |
Abbrand ca. 4 mm/Stunde |
d = 60 mm |
Abbrand ca. 3 mm/Stunde |
Diese
Angaben sind nur Richtwerte. Die tatsächliche Brenndauer richtet
sich nach der Raumtemperatur und den Luftzugverhältnissen.